Lebensgeschichten-Berufungswege

"Ein Schlüsselerlebnis auf meinem Weg zum Diakonat war die Konfrontation mit der Bibelstelle Jes. 43, 1-4 ("...ich habe dich bei deinem Namen gerufen..."). "

Diakon Josef Gebauer

Am 10. Juni 2000 wurde ich im Dom zu Fulda zum Diakon geweiht. Als Diakon im Nebenamt bin ich in meiner Wohnort-Pfarrei St. Lukas, Fulda-Aschenberg, eingesetzt.

Mein Weg zum Diakonat kann wie folgt skizziert werden:
Nach dem Abitur im Jahr 1966 begann ich das Studium der Philosophie / Theologie. Nach dem vierten Semester nahm ich mir eine "Aus-Zeit", die ich in einem heilpädagogischen Kinderheim der Caritas in Mannheim verbrachte. Währenddessen entschied ich mich für die Sozialarbeit. Meine beruflichen Stationen führten mich in mehrere Kinderheime und Jugendämter. Ehrenamtliche Tätigkeiten in Pfarrgemeinde und Pfarrgemeinderat motivierten mich in der Mitte der 90er Jahre zur Teilnahme an einem theologischen Grundkurs. Währenddessen verdichtete sich die Vorstellung, Diakon werden zu können. Gleichzeitig verspürte ich die Notwendigkeit, mein sozialarbeiterisches Tun mit seelsorgerischem Handeln zu verknüpfen. Als Angestellter einer kommunalen Verwaltung waren mir hierbei jedoch rechtliche und administrative Grenzen gesetzt; folglich strebte ich einen Arbeitsplatzwechsel an und suchte eine Tätigkeit im kirchlich-caritativen Bereich. Seit Oktober 1997 bin ich Diözesan-Caritasverband in Fulda im Ressort „Soziale Dienste / Gemeindecaritas“ beschäftigt.

In der Berufspraxis als Sozialarbeiter bin ich kontinuierlich mit Leid, Sinnfragen und Grenzerfahrungen konfrontiert. Viele offene Fragen, Defizite, Mängel und Konflikte lassen sich jedoch nicht mit rein sozialarbeiterischen Methoden lösen; Ursachen und Auswirkungen sind oftmals auf der geistlichen Ebene angesiedelt. So wurde mir immer deutlicher, dass ich in meiner professionellen Sozialarbeit die Dimension des Glaubens nicht ausklammern darf. Das Zusammenwirken von Sozialarbeit mit diakonischen Elementen stellt für mich eine ideale Verknüpfung des christlichen Nächstendienstes dar. Hierfür bietet mir die verbandliche Caritas ein ideales Feld zur Verwirklichung.

Die Aufgaben eines Diakons gestalten sich in vielerlei Ausprägungen. Diakon-Sein ist für mich jedoch nicht eine Frage von zu erledigenden Aufgaben, sondern eine Frage der Persönlichkeit. Daher plädiere ich dafür, dass ein Diakon im Nebenamt in seiner Wohnort-Pfarrei eingesetzt wird. Hierin besteht die Chance, diakonisches Leben und Zeugnisgeben im persönlichen Lebensraum zu realisieren. Indem ein Diakon da ist, mitlebt und in seinem Umfeld wirkt, kann er die Grundhaltung des Nächstendienstes ausstrahlen - ohne dass spezielle Aufgaben erfüllt werden.

Als Diakon lebe ich aus dem Glauben, den ich versuche in einer lebendigen Beziehung zu Gott zu manifestieren. Die kirchliche Grundfunktion "Caritas / Diakonia" bedeutet eine ständige Grundhaltung. Nächstenliebe und Nächstendienst ziehen sich wie ein Leitfaden durch das Leben eines Diakons. "Liebt einander wie ich Euch geliebt habe" oder "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan" sind die Grundlagen der spirituellen Haltung eines Diakons. Die Aussagen der Bergpredigt vervollständigen solche Grundlagentexte aus der Hl. Schrift.

Ein Schlüsselerlebnis auf meinem Weg zum Diakonat war die Konfrontation mit der Bibelstelle Jes. 43, 1-4 ("...ich habe dich bei deinem Namen gerufen..."). Eine solche "Berufung" weckte in mir den Wunsch, den Glauben zu vertiefen, die Gottesbeziehung zu intensivieren und das Gottvertrauen zu stärken.

Als Konsequenz dieses Wachstums wurde für mich immer wichtiger, die Nachfolge Jesu konkret und aktuell zu leben. Zusätzliche Erfahrungen festigten diesen "Berufungsweg", indem Freude, Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Gelassenheit an Bedeutung gewannen und dass gleichzeitig die verschiedenen Arten von Ängste abnahmen (...“Fürchte dich nicht!...“).

Leben und Dienst eines Diakons beinhalten für mich eine "Brückenfunktion": Brücken zu Gott; Brücken von mir zu Mitmenschen; (insbesondere zu Menschen, die Not leiden oder am Rande stehen); Brücken von Mensch zu Mensch; aber auch Brücken, dass Menschen mit sich selbst ins Reine kommen, sich selbst vergeben können und eigene Potentiale entdecken.

Insofern sehe ich mich als Diakon im Dienst am Heil der Welt, um die Vater-unser-Bitte "Dein Reich komm..." noch lebendiger werden zu lassen.

 

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