Orden
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Pater Martin Wolf OMI Bonifatiuskloster Hünfeld

"Das ist doch total verrückt!" Das war eine von vielen Reaktionen auf meinen Entschluss ins Kloster zu gehen. Als ich vor gut 10 Jahren mit diesem Weg anfing, waren zwei Kriterien für mein Lebensentwurf klar: erstens lebe ich nur einmal und zweitens möchte ich diesem einmaligen Leben so viel Sinn wie möglich geben. Die passende Lebensform dazu fand ich über persönliche Kontakte mit Ordensleuten. Das Leben in Gemeinschaft faszinierte mich und ließ diesen Entschluss in mir reifen. Und dann stand für mich fest, dass ich mein Leben ganz auf Gott setzen und gleichzeitig für die Menschen da sein will. Heute bin ich Ordenspriester, arbeite in der Jugendseelsorge und habe viel Kontakt mit Menschen, die ich für Christus und seine Kirche begeistern will. Die Gemeinschaft hilft mir dabei, in dem sie mir ein Zuhause und Halt gibt, so wie ich auch meine Mitbrüder mittrage. Als Oblatenpater lebe ich in einer missionarischen Gemeinschaft und meine Arbeit führt mich nicht selten aus dem Kloster zu den Menschen. Es gibt aber eine große Vielfalt von Ordensgemeinschaften, in denen Ordenspriester leben:

 

MÖNCHSORDEN:

Hier bindet sich der einzelne Mönch lebenslang an die Gemeinschaft der Brüder und stellt sein Leben unter das Motto "ora et labora", d. h. "bete und arbeite".

KONTEMPLATIVE GEMEINSCHAFTEN:

In strikter Zurückgezogenheit führen diese Ordensleute ein schweigendes Dasein vor Gott, nehmen Gäste auf und sind geistliche Oasen in der Welt.

BETTELORDEN:

Als Bettelmönch wählt man ein Leben in freiwilliger Armut gemäß dem Wort Jesu "Geh hin, verkaufe alles, was du besitzt... dann komm und folge mir nach" (Mk 10, 21). Die Kommunität ist der geistige Ort, an dem man Kraft sammelt, um außerhalb des Klosters sich solidarisch für die Armen einzusetzen.

APOSTOLISCHE GEMEINSCHAFTEN:

Sie antworten mit ihrem Engagement auf die Zeichen der Zeit und passen ihren Lebensstil dynamisch den Erfordernissen der Menschen an. Sie sind bereit, dorthin zu gehen, wo der Auftrag sie hinführt.

MISSIONSGEMEINSCHAFTEN:

Ihr Leitwort ist: "Geht hinaus in alle Welt" (Mk 16,15). Sie verkünden die Frohe Botschaft, damit sie kein Vorrecht für wenige bleibt, sondern an alle geht. Deshalb sind die Missionare bereit, ihre Heimat zu verlassen und mit Gottvertrauen in andere Länder zu gehen und neue Christen zu gewinnen. Du siehst, die Aufgaben und der Lebensstil sind recht unterschiedlich, aber allen gemeinsam ist die radikale Christusnachfolge in den drei Gelübden (Ehelosigkeit, Gehorsam, Armut) und das Leben in brüderlicher Gemeinschaft. Komm und sieh, ob das nicht auch ein Weg für Dich ist!


Die Frage

Im Grunde ist die Frage nach der Berufung zugleich die Frage nach dem Sinn meines Lebens: Warum lebe ich eigentlich? Wozu soll mein Leben gut sein? Wofür will ich es leben? Ich kann darauf antworten, indem ich meinem Leben einen Sinn gebe, mir eine entsprechend hohe Aufgabe suche und mich ganz dafür einsetze. Der Christ allerdings glaubt nicht, dass sich der Mensch erst selber einen Sinn geben muss. Er rechnet damit, dass Gott weiß, wofür er den einzelnen gedacht hat. Den Sinn meines Lebens kann ich mir nicht geben, ich muss ihn finden, denn er ist bereits da! Es ist ein folgenreicher Unterschied, ob ich frage: Was will ich aus meinem Leben machen? oder: Herr, was willst du, was soll ich tun? Schon an der Art, wie ich frage, wird sich meine Zukunft entscheiden, ob ich nämlich das Gebäude meines Lebens nach eigenen Bauplänen errichte oder "aus Berufung lebe" und "die Bauleitung" Gott übergebe.


Reinhard Körner Ordensberufung

Vielfalt

Es gibt viele verschiedene Ordensgemeinschaften; in manchen Orden leben nur Priester, nur Brüder (Laien) oder Priester und Brüder zusammen. Viele Ordensgemeinschaften haben eine große Anzahl verschiedener Aufgabenfelder, manche haben sich auf ein bestimmtes Gebiet (z. B. Dienst am Kranken oder Jugendarbeit) spezialisiert. Schon äußerlich unterscheiden sie sich durch ihre Kleidung: Von der einfachen braunen oder grauen Kutte bis zum schwarzen, weißen oder schwarz-weißen wallenden Habit sind sehr unterschiedliche Formen zu finden. Andere Ordensleute sind von Weltpriestern oder von Laien äußerlich nicht zu unterscheiden. So vielfältig wie die Kleidung sind auch die Ordensgemeinschaften selbst. Man kann zwei große Gruppen unterscheiden: es gibt "aktive" und "kontemplative" Orden; wobei gleich dazugesagt werden muss, dass auch die "tätigen" Ordensleute meditieren und auch die "beschaulichen" etwas tun. Dennoch ist die grobe Unterscheidung hilfreich, weil sie zwei wichtige Seiten des Ordenslebens beleuchtet, die in jeder Ordensgemeinschaft in unterschiedlicher Gewichtung vorkommen. Aktion Die "aktiven" oder "tätigen" Orden wirken heute nahezu in allen sozialen Bereichen der Gesellschaft und im Apostolat der Kirche: in Schulen, bei Jugendlichen, in Heimen, Krankenhäusern, bei körperlich oder psychisch Kranken, in Pfarreien, in der Wissenschaft, in der Öffentlichkeitsarbeit & Überall mühen sie sich, die Frohbotschaft mit Worten und Taten zu künden und gemeinsam zu leben. Wo sie arbeiten, wird das Leben der Menschen vom Evangelium her verändert. Die Quelle ihres Engagements ist die Liebe zu Jesus Christus. Aus dem Gebet, dem Gottesdienst und dem Leben in der geistlichen Gemeinschaft des Ordens schöpfen sie Kraft für ihren Dienst.

Kontemplation
Die "kontemplativen" oder "beschaulichen" Orden leben bewusst in der Abgeschiedenheit. Ihre Mitglieder suchen die Stille und Einsamkeit. (Man nennt diese Ordensleute deshalb auch Mönche, von lateinisch "monachus" = einsam, allein lebend.) Sie führen vorwiegend ein Leben in Gebet, Meditation und Handarbeit. Häufige Gebetszeiten ("Chorgebet") wechseln mit Zeiten der Arbeit. Nach dem Leitwort "ora et labora" ("bete und arbeite!") verbinden sie die Meditation mit der Arbeit. Sie leben zwar in Abgeschiedenheit und Stille, aber sie schließen die Welt und die Menschen nicht aus. Im Gegenteil nehmen sie alle mit hinein in ihr Gebet und leisten so einen wichtigen Dienst für den Frieden und die Versöhnung der Menschen.

Charisma

Die einzelnen Ordensgemeinschaften stellen je nach der von ihrem Gründer oder ihrer Gründerin gestellten Aufgabe besondere Merkmale Jesu in den Mittelpunkt: Jesu Liebe zu den Armen und Geknechteten, seine Option für die Ausgestoßenen, Jesus als Arzt der Kranken, als Träger der frohen Botschaft für alle Menschen, sein Gebet und sein Vertrauen auf den Vater & Keine Gemeinschaft kann alle Aspekte leben. Indem die einzelnen Orden je andere Wesenszüge Christi aufgreifen und leben, bringen sie etwas Unverzichtbares in das Leben der Gesamtkirche ein. Sie halten etwas von Jesus in der Mitte der Gläubigen lebendig. Die Auswahl, welche Seite Jesu eine Gemeinschaft besonders lebt, geschieht nicht willkürlich. Sie hat etwas zu tun mit dem Auftrag, den Gott den Gründern gegeben hat. Der Heilige Geist hat ihnen ein besonderes ? Charisma? (griechisch = Gnadengabe des Heiligen Geistes) geschenkt, das in der Ordensgemeinschaft weiterlebt. In der Kraft des Geistes schufen sie Zellen der Erneuerung des kirchlichen Lebens, Basis-Gruppen der Hoffnung und der Zuversicht ? oft gegen herrschende Selbstgefälligkeit und Dekadenz in Kirche und Gesellschaft. Sie fühlten sich berufen, den Menschen die Liebe Gottes durch ihr eigenes Charisma erfahrbar zu machen. Sie zogen viele Gleichgesinnte an, die sich ihre Aufgabe angeeignet und ihr Persönliches dazugegeben haben. Für die Mitgliedschaft in einem Orden ist entscheidend, ob die persönliche Wegführung und Berufung des Bewerbers in Grundlinien übereinstimmt mit dem Charisma der Gemeinschaft, das sie von ihrem Gründer empfangen hat.

Weg in den Orden

Das Hineinwachsen in einen Orden ist ein Weg in vielen Schritten. Dieser Weg kann sich je nach Ordensgemeinschaft unterscheiden; er ist auch davon abhängig, was die einzelnen Interessenten und Bewerber an Voraussetzungen mitbringen. Im Einzelfall muss man mit den Verantwortlichen der Orden sprechen und einen Weg suchen. Trotz der Unterschiede kann man folgende Phasen benennen, die je nach Person und Gemeinschaft ausgefüllt werden:

Kontakt und Interesse
Am Anfang steht eine Suchphase. Es entstehen erste Kontakte, vielleicht zu mehreren Orden. (Viele Ordensgemeinschaften bieten die Möglichkeit an, gastweise "Kloster auf Zeit" zu erleben.) So wächst ein Interesse am Leben dieser Brüder oder Priester. In Gesprächen lassen sich erste Fragen klären.

Vertieftes Kennenlernen
Der Kontakt zu einer Gemeinschaft vertieft sich so, dass die Möglichkeit eines Weges in diese Richtung ernsthaft in Erwägung gezogen wird. Es finden vertiefende Gespräche mit Mitgliedern des Ordens statt, die für diese Phase besonders beauftragt sind. Sie sollen helfen, Motivationen abzuklären, tiefere Einblicke in das Ordensleben allgemein und in diese Gemeinschaft im besonderen zu gewinnen und eine verantwortbare Vorentscheidung zu treffen. Vielleicht müssen auch noch Voraussetzungen für einen weiteren Weg geschaffen werden: Schul- oder Berufsabschlüsse, Lebenserfahrungen, Praktika...

Erster Schritt der Verbindlichkeit
Diese Phase wird unterschiedlich benannt: "Kandidatur" oder "Postulat" (von lateinisch "postulare" = verlangen; d. h. die Mitgliedschaft erbitten). Für diese Zeit, auch wenn sie teilweise noch außerhalb des Klosters verbracht wird und unterschiedlich lang sein kann, gilt schon eine verbindliche Ordnung. Es handelt sich um eine engagierte Zeit der Abklärung, des gegenseitigen Kennenlernens und der Entscheidungsfindung. Grundlagen des geistlichen Lebens und des Lebens in Gemeinschaft werden erprobt und eingeübt.

Noviziat
Die entscheidende Phase ist das Noviziat (von lateinisch "novus" = neu). Zum Noviziat muss man von der Ordensleitung zugelassen werden. Es ist eine intensive Zeit der Einführung ins Ordensleben und in den konkreten Orden. Schwerpunkte sind: Reifung der Persönlichkeit, Integration in die Gemeinschaft, Wachstum und Vertiefung des geistlichen Lebens im Sinne der Evangelischen Räte und des jeweiligen Ordenscharismas. Das Noviziat endet mit einer ersten (zeitlich begrenzten) Bindung an die Gemeinschaft durch die Ordensgelübde.

Vertiefung und endgültige Bindung
Es folgen Jahre der weiteren Vertiefung, der Ausbildung und Bewährung. Nach mehreren Jahren folgen in der Regel die "ewigen" (feierlichen) Gelübde, gegebenenfalls die Priesterweihe. Auch das weitere Ordensleben ist ein Weg des Reifens und vor allem des Wachsens in der Liebe.

Ausbildung
Je nach den Aufgaben der Gemeinschaft und je nach der Einzelpersönlichkeit sorgen die Orden für eine entsprechende Aus- und Fortbildung ihrer Mitglieder. Dabei wird auf den vorausgehenden Schul- und Ausbildungsgängen aufgebaut. Brüder machen in der Regel eine Lehre, eine Meisterausbildung oder akademische Ausbildung in den verschiedensten handwerklichen, technischen, medizinischen, sozialen, pädagogischen oder wissenschaftlichen Berufen. Missionare werden intensiv auf ihren Einsatz in dem jeweiligen Land vorbereitet, wobei das Erlernen fremder Sprachen Grundvoraussetzung ist. Die Ausbildung zum Priester umfast das Studium der Philosophie und Theologie an Ordenshochschulen oder an Universitäten. Viele Ordensbrüder oder -priester werden durch weitere spezielle Ausbildungen oder Studien auf Dienste im Orden, in der Kirche und Gesellschaft vorbereitet. Hier gibt es eine große Vielfalt. Die Entscheidung über die Ausbildung und den Einsatz liegt bei den Ordensleitungen, die mit dem einzelnen Bruder oder Priester beraten, was die Wegführung Gottes ist.


Kontakt Orden


Oblaten Maria Immaculata

Pater Martin Wolf OMI
Bonifatiuskloster
Klosterstraße 5
36088 Hünfeld

Tel: 06652 - 94536
Fax: 06652 - 9488



Franziskaner Frauenberg

Bruder Pascal Sommerstorfer
Am Frauenberg 1
36039 Fulda

Tel: 0661 - 10 95-41
Mobil: 0151 - 4025 7909


 

„Ich wage das Abenteuer Ordensleben, weil Gott mich hier in dieser Welt als Missionar und Priester braucht, und weil ein Leben aus dem Glauben erst so richtig Fahrt aufnimmt. Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten hilft mir, ja zu dieser Berufung zu sagen.“
Michael Klee, Novize im St. Bonifatiuskloster Hünfeld.

 

Die "Berufunggs-App"

Vielleicht: Ein digitales Hilfsmittel zum Finden der eigenen Berufung

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